SLAP

Das neue „Sonnig“

Nach einer gefühlten Ewigkeit an wolkenverhangenem Himmel freut sich das wintergeschundene menschliche (und sicher auch tierische) Gemüt auf die ersten, bereits etwas wärmenden Sonnenstrahlen des neuen Jahres. Der Wetterbericht meldet „Sonnig“ von morgens bis abends und der abgestaubte Liegestuhl wird schon mal vorsorglich in einer windgeschützten, dafür aber sonnenexponierten Ecke platziert, um so später den gen 0 tendierenden Vitamin D-Haushalt des darin vor sich hindösenden Besitzers aufzustocken.

Dem sonnenhungrigen Erdling aber wird in zunehmenden Fällen ein regelrechter Strich, oder besser gesagt, es werden ihm viele Striche durch die ursprüngliche Rechnung gemacht, denn unzählige, kerosinbetriebene Luftschiffe tummeln sich am Himmel und scheinen um die längsten und breitesten Hinterlassenschaften zu wetteifern. Kreuz und quer ziehen sich nach und nach die weiβen Linien über dem vormals blauen Himmel als undurchdringlicher Schleier zusammen und es bleibt dem anfangs noch gutgelaunten Sonnenanbeter nur noch der entnervte Rückzug.

SLAP oder Nicht-SLAP, das ist hier die Frage

Aber, alles halb so wild und eigentlich ganz normal, glaubt man einem wissenschaftlichen und unbedingt lesenswertem Artikel aus dem Jahr 2016 mit der Bezeichnung „Quantifying expert consensus against the existence of a secret, large-scale atmospheric spraying program“ (Quantifizierung des Expertenkonsenses gegen die Existenz eines geheimen, groß angelegten Programms zur Besprühung der Atmosphäre), kurz „SLAP“1. 77 handverlesene Wissenschaftler wurden damals befragt, ob sie sich vorstellen könnten, dass es „geheime Sprühaktionen“ o.Ä. gäbe, welche die besagten Linien erklären könnten. Wie wir es aus der mittlerweile üblich gewordenen Konsens-„Wissenschaft“ her kennen und eigentlich auch schon fast erwarten, waren sich 76 der Befragten (98,7%) einig, dass sich das Phänomen auf rationalem Wege erklären lieβe, es also keinen beweisbaren Vorsatz für „SLAP“ gebe.

Uff!

Stutzig macht nur das Mitwirken eines bestimmten Autors an diesem Paper, dem Atmosphärenwissenschaftler Ken Caldeira, der bei „Breakthrough Energie“ als Senior Scientist angeheuert hat2, der Dachorganisation einiger von Bill Gates gegründeten Unternehmen, die sich nichts Geringeres als die Abwendung des sog. Klimawandels auf die Fahne geschrieben haben. Gates möchte die Menschheit also wieder einmal „retten“, diesmal statt mit C-Spritzen durch das Herumschrauben am Wetter, wie uns z.B. das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ wissen lässt3. Immerhin ist laut des Artikels von der Technik und der Durchführung her genau das angedacht, was sich an so manch eigentlich wolkenfreiem Tag am Himmel beobachten lässt. Das oben besagte „Caldeira-Paper“, übrigens das erste und einzige seiner Art, bekommt durch diesen offensichtlichen, nennen wir es mal Interessenkonflikt, doch ein ziemliches Gschmäckle, zumal Caldeira in diesen Fragen schon seit 2007 des Meisters Berater ist.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Wie dem auch sei, der eingangs beschriebene Sonnenfreund jedenfalls wünscht sich sicher das alte „Sonnig“ zurück, sollte ihm das ebenfalls vom Schlage eines Gates-„Rettungs“-Syndroms befallene Europaparlament nicht noch einen weiteren Strich durch diese Rechnung machen4, denn auch hier wird munter über das sog. Geoengineering diskutiert. Ob es sich bei diesem Thema um ungelegte, oder bereits längst gelegte Eier handelt, sei jedem kritischen und sehenden Menschen selbst überlassen.

Mario Dichter, 1.02.2024 (Bild: Shutterstock)

  1. https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/11/8/084011?
  2. https://breakthroughenergy.org/our-team/ken-caldeira/
  3. https://www.forbes.com/sites/davidrvetter/2022/01/20/solar-geoengineering-why-bill-gates-wants-it-but-these-experts-want-to-stop-it/
  4. https://www.ft.com/content/8196059a-ecdf-4615-9f5d-ed1d4ab70cbd

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